Warum „Weil“ ein mächtiges Wort ist

Wir alle brauchen Begründungen für unsere Handlungen. Warum ist das so? Wie muss eine sinnvolle Begründung aussehen?

Zum nachlesen:

Mein Name ist Peter Martini und in diesem Video erkläre ich dir, warum wir Menschen Gründe brauchen.

Weil ist mächtig

Als meine Kinder drei Jahre alt waren, haben sie öfters mal was gewollt – eine Süßigkeit, oder etwas zum Spielen, was ihnen halt in den Sinn gekommen ist. Und ich als Vater hab natürlich dann manchmal gesagt, das ist mir jetzt eine zu große Forderung oder sie passt nicht und in dem Gespräch mit meinem Sohn oder mit meinen Töchtern hab ich dann gefragt, „Ja, warum willst du das haben?“ Öfters haben dann meine Kinder nur noch gesagt: „Weil“, ohne dahinter noch mal eine Begründung zu bringen. Das fand ich manchmal lustig und es ist schon fast zu einem stehenden Begriff geworfen, wenn ich gesagt habe „Warum?“, dann kam ein „Weil“. Ich hab das damals nich so ernst genommen, ich hab mir gedacht , ok. sie haben jetzt gerade keine Lust zum Erklären. Und irgendwie haben wir das dann schon gelöst, diese Situation.
Es ist einfach so, wenn ein anderer von mir etwas will, dann will ich eine Begründung haben. Ist ja eigentlich auch logisch. Wenn ich keine Begründung bekomme, dann sperr ich mich, dann will ich das einfach auch nicht tun, was der andere von mir will. Das ist denk ich so, weil das mit unserer Logik zu tun hat. Wenn ich nen Grund hab, wenn ich was will, und mir das auch einleuchtet, dann mach ich da auch gerne mit. Aber – ist das auch wirklich so? Was steckt dahinter?

Unser Verstand braucht eine Begründung

Für meinen Verstand brauche ich dieses Weil, diese Begründung. Aber ich bin ja noch viel mehr, ich hab ja auch noch Gefühle. Und wenn ich`s mir genau überlege, dann treiben mich meine Gefühle an, sie motivieren mich, Dinge zu tun. Mein Verstand als Gegenüber kann mit den Gefühlen net so richtig umgehen, deshalb sucht er auch immer nach ner Begründung. Und oftmals kauf ich mir etwas, weil ich`s vielleicht schön finde, oder weil es mich anspricht, weil ich merke, wie´s mich befriedigt, weil es meinen Bedürfnissen entspricht. Aber vom Verstand her muss ich das dann begründen, vielleicht, weil´s so günstig war, weil`s grad im Angebot war. Oder weil es andere haben. Oder weil`s einfach vernünftig ist. Deshalb ist mein Verstand ständig auf der Suche nach Begründungen.
Interessant ist ja, dass scheinbar ein „Weil“ reicht. Aber warum ist das so?

Ein „Weil“ reicht schon

Das hängt mit der Energie zusammen. Sobald mein Verstand ein „Weil“ hört – von meinem Gegenüber, dann weiß er auch, jetzt kommt eine Begründung. Damit ist der Verstand mehr oder weniger zufrieden, weil eine Begründung da ist. Der nächste Schritt wäre für den Verstand jetzt, die Begründung genau zu erörtern. Genau zu verstehen, was ist die Begründung des anderen, und es kostet einfach viel Zeit und Energie. Und mein Verstand weiß aus Erfahrung, diese Begründung hat Sinn, gerade, wenn`s jetzt um meine Kinder geht, dann kann ich des vielleicht einsortieren- weiß schon im Vorfeld, warum sie das haben wollen, und dann arbeitet mein Verstand nicht mehr wirklich mit dieser Begründung und will das auch nicht mehr wirklich erfahren. Es kostet einfach viel zu viel Energie, weil ich weiß ja sowie so schon, auf welche Begründung es hinauskommt. Also gibt sich mein Verstand mit dem Wort „Weil“ schon zufrieden. Und ich entscheide dann als Vater, gehe ich drauf ein oder nicht?

Die Warteschlange vor dem Kopierer

Wissenschaftler haben dazu eine Untersuchung gemacht: Sie haben eine Warteschlange angeschaut – eine Warteschlange vor einem Kopierer. Alle Menschen in der Warteschlange wollten kopieren. Und jeder musste warten auf den, der vor ihm steht. Die Aufgabe war, ein Student sollte ganz schnell eine Kopie machen, er sollte schauen, dass er in der Warteschlange nach vorne kommt. Und er musste sich eine Begründung einfallen lassen, und des den Leuten erzählen. Und dann haben die Wissenschaftler beobachtet, ob der Student es geschafft hat, in der Warteschlange nach vorne zu kommen. Da gab`s verschiedene Versuche, mit verschiedenen Begründungen. Eine der Begründungen war eine total sinnlose. Die Begründung hieß: „Weil ich kopieren will, möchte ich gerne nach vorne kommen.“ Und selbst diese Begründung hat gereicht, dass er mit der gleichen Wahrscheinlichkeit in der Schlange nach vorne gekommen ist wie bei einer ganz anderen Begründung, wie zum Beispiel: „Weil mein Kind gerade im Kinderwagen sitzt und ich mich wieder um ihn kümmern muss.“ Und es geht sogar noch weiter, schon allein das Wort „Weil“ hat oft ausgereicht, um in der Schlange nach vorne zu kommen. Das sieht so aus, als könnten wir uns mit dem „Weil“ zufrieden geben, wenn unser Vertrauen in unser Gegenüber hoch genug ist. Dann reicht das Wort „Weil“ aus. Und es spart uns viel Energie in der Zusammenarbeit miteinander. Trotzdem müssen wir selber drauf achten, wenn es um große Entscheidungen geht, dass wir uns nich so schnell zufrieden geben, sondern, dass wir dann wirklich tiefer eintauchen und uns nich von unserem Verstand benebeln lassen, es is schon alles ok. Also achte auch immer darauf, dass du dir genau überlegst, ob dieses „Weil“ jetzt reicht, und ob du die Begründung nur oberflächlich anschaust oder ob es nich wegen der Sache doch wichtig ist, jetzt tiefer einzusteigen.

Deine Gefühle treiben dich an

Achte darauf, von welchen Gefühlen du angetrieben wirst. Überleg dir, ob die Gefühle dich steuern und dein Verstand nur nach Begründungen sucht, um dich ruhigzustellen, oder ob des wirkliche, echte Begründungen sind. Und wenn des so is, dass du von Gefühlen gesteuert wirst, was ja dazugehört zu uns Menschen, dann achte darauf, dass du wirklich gute Gefühle hast, dass du vielleicht auch deine Gefühle steuern kannst.

Gebe Begründungen

Eine weitere Anwendung ist, wenn wir jemanden von etwas überzeugen wollen, dann ist es gut, demjenigen Begründungen zu geben, mit denen er auch wieder sich selber argumentieren kann, warum er jetzt davon überzeugt worden ist. Es macht auch Sinn, unserem Gegenüber vielleicht zwei Begründungen zu geben, sodass er wählen kann. Ich denke es ist gut, nicht allzu viele zu geben, nicht drei oder noch mehr Begründungen, denn das verwirrt unser Gegenüber häufig nur.

Soweit dazu, warum das Wort „Weil“ so mächtig ist.

Zwei Bitten hab ich an dich: Klick auf den Link unter diesem Video, um meine Homepage www.petermartini.de zu besuchen und schreib unter das Video einen Kommentar.

Bis bald, dein Peter Martini

2 Gedanken zu „Warum „Weil“ ein mächtiges Wort ist

  1. Matthias Szilagyi

    Hallo Peter,
    das Beispiel mit dem Kopierer kannte ich. :) Mit „weil“ kann man sehr gut auf den Punkt kommen und wie du schon angesprochen ist, vor allem dann, wenn eine oberflächliche Begründung ausreicht und man nicht zu sehr ins Detail gehen will. Aber klar, kann man nach dem „weil“ Satz auch noch ein paar Sätze dranhängen und dann ins Detail gehen.
    Ich wünsch dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Blog und ein frohes Neues Jahr.
    Gruß, Matthias

    Antworten

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